
Die Module sitzen auf dem Dach, die Anlage liefert Strom – und die Kabel verschwinden irgendwo unter einem Dachziegel. Passt schon? Genau bei diesem unscheinbaren Detail lohnt sich ein genauer Blick.
Eine Kabeldurchführung muss die Leitungen schützen und die Funktionen des Daches erhalten. Werden PV-Leitungen eingeklemmt, über scharfe Kanten geführt oder durch offene Dachbahnen gezogen, können daraus elektrische Schäden und Feuchtigkeitsprobleme entstehen.
Dass eine PV-Anlage Strom produziert, sagt noch nichts über die Qualität ihrer Montage aus.
Bei der Kabeldurchführung treffen Dachhandwerk und Elektrotechnik aufeinander. Beide Bereiche müssen zusammenpassen.
Die Leitungen dürfen nicht den Platz beanspruchen, den ein Dachziegel für seinen richtigen Sitz benötigt. Gleichzeitig müssen sie vor Druck, Zug und Scheuerstellen geschützt werden.
Typische Schwachstellen sind:
Solche Ausführungen müssen nicht sofort zu einem sichtbaren Schaden führen. Temperaturwechsel und Bewegungen können eine ungünstige Situation jedoch über die Jahre verschärfen.
Der Kabelweg sollte bereits vor der Montage geplant werden. Für viele Dachziegel und Dachsteine sind passende Solar- beziehungsweise Kabeldurchgangselemente erhältlich.
Diese Bauteile ermöglichen eine geordnete Durchführung durch die Dachdeckung. Je nach System kommen beispielsweise Formziegel mit geeigneten Dichtmanschetten zum Einsatz.
Wichtig ist, dass die Lösung zur vorhandenen Dacheindeckung, zur Dachneigung sowie zur Anzahl und zum Durchmesser der Leitungen passt. Die Montagevorgaben des Herstellers sind dabei zu beachten.
Ein Formteil allein macht die gesamte Durchführung aber noch nicht fachgerecht.
Auch die Leitungen müssen passend befestigt, vor scharfen Kanten geschützt und ohne unzulässige Belastungen verlegt werden. Ein Schutzschlauch beseitigt weder eine zu enge Öffnung noch einen falsch sitzenden Dachziegel.
Entscheidend ist eine dauerhaft geeignete Gesamtlösung.
Die sichtbare Dacheindeckung ist nur eine Ebene des Dachaufbaus.
Je nach Konstruktion durchqueren die Leitungen zusätzlich eine Unterdeck- oder Unterspannbahn. Beim Eintritt in den gedämmten Gebäudebereich kann außerdem die Luftdichtheitsschicht betroffen sein.
Diese Schichten erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Deshalb muss jede durchdrungene Ebene entsprechend ihrer Funktion angeschlossen werden.
Bei einer wasserführenden Unterdeckung muss der Anschluss gewährleisten, dass anfallendes Wasser sicher weitergeleitet wird und nicht durch die Öffnung in den Dachaufbau gelangt.
Wird die Luftdichtheitsschicht durchdrungen, ist dort ein dauerhaft luftdichter Anschluss erforderlich. Durch offene Stellen kann warme, feuchte Innenluft in die Konstruktion gelangen. Unter ungünstigen Bedingungen entsteht dort Tauwasser, das Dämmung und Holzbauteile schädigen kann.
Eine außen ordentlich aussehende Durchführung kann innen trotzdem eine Schwachstelle haben.
Eine Bahn aufzuschneiden, mehrere Leitungen hindurchzuziehen und anschließend etwas Klebeband um das Kabelbündel zu wickeln, ergibt nicht automatisch einen dauerhaft dichten Anschluss.
Gerade zwischen mehreren Kabeln bleiben leicht kleine Öffnungen bestehen. Außerdem können Zug und Bewegung die Verklebung belasten.
Geeignete Kabelmanschetten und auf den Untergrund abgestimmte Anschlussmaterialien sind mögliche Lösungen. Dabei müssen unter anderem Kabeldurchmesser, Kabelanzahl, Untergrund und Verarbeitungsvorgaben berücksichtigt werden.
Auch die Zugentlastung ist wichtig: Der Anschluss an einer Dachbahn darf nicht das Gewicht oder die Zugkräfte der Leitungen aufnehmen müssen.
Bei der Planung und Ausführung sind sowohl die elektrischen Anforderungen als auch die Regeln für den jeweiligen Dachaufbau zu berücksichtigen.
Zu den einschlägigen Regelwerken gehören insbesondere:
Diese Regelwerke müssen auf das konkrete Bauvorhaben angewendet werden. Aus ihrer Nennung folgt nicht, dass jede Leitung unter einem Dachziegel automatisch unzulässig ist oder immer ein bestimmtes Produkt verwendet werden muss.
Maßgeblich sind der mechanische Schutz der Leitungen, die Regensicherheit der Dachdeckung und die funktionsgerechten Anschlüsse an den durchdrungenen Dachschichten.
Sie müssen als Eigentümer nicht selbst beurteilen können, ob jedes Detail fachgerecht ausgeführt wurde. Sie können sich aber zeigen lassen, wie die Kabel ins Gebäude geführt werden und welche Lösung dafür vorgesehen ist.
Folgende Fragen helfen:
Bei Auffälligkeiten sollten Dachdecker und Elektrofachkraft die Schnittstelle gemeinsam beurteilen.
Beschädigte Leitungen müssen fachgerecht geprüft und gegebenenfalls ersetzt werden. Nur den darüberliegenden Dachziegel anders aufzulegen, beseitigt einen bereits entstandenen Isolationsschaden nicht.
Bitte steigen Sie für diese Kontrolle nicht selbst auf das Dach und öffnen Sie keine PV-Steckverbindungen. PV-Leitungen können bei Lichteinfall weiterhin Spannung führen.
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Eine gute PV-Montage erkennt man auch dort, wo die Kabel im Dach verschwinden.
Michael Feldhues
Dachdeckermeister und PV-Sachverständiger
PV Klartext